Interview mit Hatha-Yogalehrer Gábor Horváth

Yoga Interview, Iyengar, Muenchen, Garbor Horwath

Manchmal gibt es Situationen in denen ich ein riesiges Problem sehe. Aber wenn ich fünf  Jahre später darauf zurückblicke, merke ich es war ein riesiges Glück.

Gábor Horváth ist medizinischer Masseur und Yogalehrer. Er unterrichtet im Yoga-Pilates Harlaching Hatha Yoga und Pilates. Seine Yoga-Geschichte ist bewegend, spirituell geprägt und völlig befreit von der Münchner Yoga-Szene.

Interview mit Gábor Horváth über ein Leben mit Yoga

My Yoga Guide: Im Yoga-Pilates-Harlaching finden regelmäßig Workshops statt, kannst du mir etwas darüber erzählen?

Gábor Horváth: Es gibt Menschen die viel mehr Wissen haben als ich und ich möchte meinen Schülern Zugang zu diesem Wissen geben. Deshalb lade ich meine eigenen Lehrer ein Workshops zu geben. Ich sage meinen Schülern immer, und ganz besonders denen die zum ersten Mal zum Yoga kommen, dass es wichtig ist nicht nur einen Lehrer zu haben. So bekommt man einen Überblick, was Yoga überhaupt bedeutet.

Mein indischer Lehrer Nischal Gahle hat als Buddhist, während seiner Ausbildung über Jahre täglich vier Stunden Yoga geübt. Er kann Patanjalis Yoga Sutren von Anfang bis zum Ende auswendig rezitieren und hat ein enormes spirituelles und körperliches Wissen.

Mein anderer Lehrer Peter Domokos ist Ungar und unterrichtet in Budapest. Beide üben Iyengar Yoga aber jeder auf seine Weise. Der Ungar nimmt etwas von sich dazu und der Inder ebenfalls. Sie haben dieselben Grundlagen aber jeder ist ein bisschen anders.

My Yoga Guide: Beschreibe deinen Yoga-Unterricht in drei Worten oder einem Bild.

Gábor Horváth: Der Rücken muss gerade sein.

(Es ist inzwischen gegen 21h, wir sitzen beide erschöpft im Raum und unsere Rücken sind nicht gerade.)

My Yoga Guide: (Ich lächle) Lass uns gerade sitzen!

Gábor Horváth: Ich kann nicht mehr gerade sitzen. Ich habe Rückenschmerzen.

My Yoga Guide: Weshalb denn?

Gábor Horváth: Weil ich den ganzen Tag massiere. Ich habe einen der besten karmischen Berufe der Welt: Etwas für andere Menschen zu tun. Wenn man das so sieht ist das Yoga und ich übe den ganzen Tag. Ich habe daher kein Problem wegen meiner Rückenschmerzen, denn die kommen davon, dass ich viel gearbeitet habe. Und Arbeit ist auch nur Karma, eine Aufgabe. Das ist Energie. Meine Patienten kommen mit Rückenschmerzen, ich tue alles was ich kann und sie gehen gesund weg. Aber die Energie geht nicht weg, die geht irgendwohin und das ist ok.

Ich sehe mein Leben yogisch. Manchmal gibt es Situationen in denen ich ein riesiges Problem sehe. Aber wenn ich fünf  Jahre später darauf zurückblicke, merke ich es war ein riesiges Glück.

My Yoga Guide: Seid wann beschäftigst du dich mit Yoga und warum?

Gábor Horváth: Seit meinem 16ten Lebensjahr. Da hat mich und meine Familie ein persönlicher Schicksalsschlag schwer getroffen. Es war eine sehr schwere Zeit für alle und ich habe nach Wegen gesucht diese Situation zu meistern. Ich bin streng katholisch aufgewachsen, wir sind immer in die Kirche gegangen und ich habe mir gesagt: Es ist nicht möglich, dass es einen Gott gibt der mich liebt, weil er mich nicht mit einer solchen Sache bestrafen würde. Da war für mich der Katholizismus vorbei. Abgehackt.

Dann war ich auf der Suche und habe nach Literatur geschaut. Das erste Buch, das ich fand war Das Leben nach dem Leben: Gespräche mit Wiedergeborenen von Thorwald Dethlefsen. Solche Bücher habe ich gelesen und mir überlegt, dass es doch Reinkarnation geben könnte. So bin ich Richtung Yoga gekommen. Ich habe ein Buch nach dem anderen gelesen.

Später kamen die Asanas und die Yoga-Ausbildungen dazu. Der erste Lehrer, der Zweite, der Dritte, noch mehr Bücher und jetzt bin ich hier.

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My Yoga Guide: Wie bist du von der Literatur zur Yogalehrer-Ausbildung gekommen?

Gábor Horváth: Ich komme aus einer kleinen Stadt in Ungarn. Vor 15 Jahren war Yoga dort nicht sehr bekannt, und einen guten Yoga-Lehrer zu finden ist bis heute schwierig. Die meisten sind eigentlich Fitness- oder Aerobic-Trainer. Sie haben in ihren Klassen ein paar Übungen eingebunden, und es als Yoga bezeichnet. Ich war in unterschiedlichen Kursen, bei unterschiedlichen Lehrern und mir hat immer etwas gefehlt. Ich wollte dieses innerliche, spirituelle Wohlbefinden finden.

Ich dachte mir, wenn sie mir bei einer Yogalehrer-Ausbildung nicht beibringen was Yoga wirklich ist, dann nirgendwo. Dort habe ich meinen ersten Lehrer Peter Domokos getroffen. Was dort mit mir passiert ist, werde ich nie vergessen denn es hat mein Leben verändert. Obwohl wir nur Asanas geübt haben und er ein paar Sachen erklärt hat. Es war nicht sehr spirituell, aber endlich auf eine Weise, wie ich es mir gewünscht hatte. Es hat angefangen innerlich etwas zu bewirken.

Ich bin drei Tage geflogen, habe meinen Körper nicht gefühlt, nicht mehr gemerkt, dass ich gehe und war total leer. 17 Jahre lang hatte ich im selben Haus gewohnt und alles war plötzlich neu! Ich sah, wie ich noch nie etwas gesehen hatte. Ich bewunderte die Steckdose! Die Bäume, der Nachbar oder der Garten waren plötzlich wie neu. Seit dem habe ich dieses Gefühl nicht wieder gehabt. Es ging drei Tage, dann war es wieder weg.

My Yoga Guide: Gab es weitere Lehrer, die deinen Yoga-Weg geprägt haben?

Gábor Horváth: Man sagt man trifft in seinem Leben vier Lehrer. Ich glaube ich habe nun meinen dritten gefunden: Paramahamsa Sri Swami Vishwananda. Er wohnt bei Frankfurt, schaut aus wie Jesus und ist ein Meister.

Ich war bei ihm im Satsang und es gab eigentlich keinen Grund zu weinen. Aber als er rein kam und angefangen hat zu singen, hat sich mein Herz geöffnet und ich habe geweint.

Der zweite Lehrer ist Nischal Gahle. Er ist in einem Yoga Ashram geboren. Dort kam eines Tages kam sein Meister, der Ashram-Führer mit einem ungarischen Chefarzt zu ihm und sagte in Ungarn gäbe es eine Ayurvedische Klinik und der Chefarzt von dort suche einen indischen Mitarbeiter, der gut Yoga und Ayurveda könne. Zum Arzt sagte der Ashram-Führer: Hier ist der Mann, den kannst du mitnehmen. Und so ist mein Lehrer mit dem Chefarzt nach Ungarn gegangen. Er tut was sein Meister sagt.

My Yoga Guide: Was hast du von ihm gelernt?

Gábor Horváth: Ich habe von ihm nicht nur Asanas gelernt sondern auch Philosophie. In meiner dritten Stunde bei ihm, hat er mir ein Buch gegeben und gesagt ich solle es lesen. Ich habe seit dem immer gemacht was er sagt und er hat mir noch nie etwas Schlechtes gesagt. Von ihm habe ich so viel Disziplin gelernt. Zu machen was der Meister sagt ohne zu überlegen und Fragen zu stellen.

Er hat mir auch gesagt, ich müsse mir gut überlegen ob ich wirklich ein Yogalehrer bzw.Yogi sein wolle, denn dann würde sich mein Leben radikal ändern. Und es ist genau wie er gesagt hat. Das ganze Leben ist anders -zack-. Aber es war meine Wahl.

My Yoga Guide: Was genau hat sich verändert?

Es geht darum zu verstehen, was alles bedeutet, was passiert, was nicht passiert, was man hat, was man nicht hat, weshalb man es hat und weshalb man etwas nicht hat und, dass man hat eigentlich alles was man braucht.

Gábor Horváth: Ich war nie ein großer Trinker, aber ich bin früher auf Partys gegangen und dann wollte ich das nicht mehr. Nicht weil mein Lehrer mir das gesagt hat, sondern innerlich. Meine Freunde haben nicht verstanden warum ich kein Alkohol mehr trinken wollte und nicht mehr mit in Bars kam. So ging es weiter. Als nächstes wunderten sich meine Freunde warum ich kein Fleisch mehr essen wollte. So hatten sie mich nicht kennengelernt und ich kann ihnen nichts vorwerfen. Vorher haben wir etwas gemeinsam gemacht, was uns gefallen hat und am nächsten Tag habe ich ihnen gesagt, dass es mir nicht mehr gefällt. Nur mein bester Freund hat es akzeptiert. Er hat gesagt: „Das ist alles absoluter Blödsinn aber es ist mir scheißegal.“

So hat sich alles geändert. Eine Tür schließt sich und eine Andere öffnet sich. Das muss man verstehen und nicht gegen die geschlossene Türe schlagen sondern weitergehen. Mein ganzes Leben hat vorher aus Festhalten bestanden und mein Lehrer hat mir beigebracht was Loslassen bedeutet. Er hat Fragen aufgeworfen: Gehört das wirklich zu dir? Dein Job, dein Auto, deine Frau, deine Freunde oder willst du sie nur Besitzen?

Es geht darum zu verstehen, was alles bedeutet, was passiert, was nicht passiert, was man hat, was man nicht hat, weshalb man es hat und weshalb man etwas nicht hat und, dass man hat eigentlich alles was man braucht. Wenn man das nicht versteht, will man immer mehr. Ein zweites Auto, ein drittes Haus, noch ein Boot und man bleibt unglücklich.

Die Yogaphilosophie ermöglicht einem das zu durchschauen. Ich bin auch nur ein Mensch und es kommt immer wieder vor, dass ich gegen etwas arbeite, aber ich versuche mit weniger Schwung den Kopf gegen die Wand zu hauen.

My Yoga Guide: Was bedeutet Yoga für dich im Alltag?

Gábor Horváth: Ich stehe auf und bete. Dann gehe ich zur Arbeit und erledige meine Aufgabe mit offenem Herzen. Ich esse und bedanke mich für das Essen. Später gehe ich nach Hause und bedanke mich für den Tag. Ich mache eine Kerze und ein Räucherstäbchen an, bete und gehe ins Bett.  Ich versuche so wenig Schlechtes für Andere und mich selbst zu machen wie möglich.

Dabei bin ich mehr oder weniger konsequent. Ich gehe auch mal aus, treffe Freunde, trinke zwei Bier und gehe wieder nach Hause. So habe ich ein bisschen gefeiert und den Tag hinter mir gelassen. Das ist auch ok. Ein Yogi würde so was nicht tun, also meine Lehrer machen das ganz sicher nicht, aber gut bei mir ist es so.

My Yoga Guide: Was sind die wichtigsten Dinge, die du deinen Schülern mitgeben möchtest?

Gábor Horváth: Ich möchte, dass sie Yoga verstehen und das sie verstehen, dass Yoga keine Gymnastik ist. Allerdings sind hier im Studio viele Leute mit Rückenproblemen. Da setze ich Asanas ein um ihnen beizubringen wie sie einen Alltag ohne Schmerzen haben können. Das ist hier meine Aufgabe.

Ich versuche ihnen klarzumachen, dass das nicht Yoga ist, sondern der kleinste Teil vom Yoga. Ich versuche sie zu animieren Fragen zu stellen und Interesse für weitere Yogastufen zu entwickeln.

My Yoga Guide: Was nimmst du selbst mit aus deinen Klassen?

Gábor Horváth: Ich bin total froh, wenn ich die Leute lachen sehe. Wenn sie sagen, die Yoga Übung war schwer, aber jetzt bin ich glücklich, jetzt kann ich meine Schultern besser bewegen oder jetzt fühle ich mich besser. Diese Rückmeldungen tun mir immer gut, aber das Wichtigste ist zu sehen, dass die Leute lachen. Dann ist alles ok.

My Yoga Guide: Du unterrichtest auch Pilates, was gefällt dir daran?

Gábor Horváth: Pilates hat für mich keine tiefe Bedeutung. Daher halte ich mich nicht für den besten Pilates Trainer. Ich mache einen ganz normalen Unterricht und korrigiere die Leute aber mein Herz schlägt für Yoga. Dadurch dass ich selbst kein Pilates übe mache ich keine Fortschritte im Pilates-System. Die Grundübungen sind klar und ich kann sie unterrichten, aber wenn ich das mit meiner Pilates-Lehrerin vergleiche, die Art und Weise wie sie unterrichtet ist eine ganz andere! (lacht)

Pilates ist nicht ganz mein Weg, aber es ist für Viele sehr gut. Im Pilates herrscht eine ganz andere Energie. Es dynamisch, sehr zentriert und gut für Bauch, Beine, Po, Stärke und Kraft. Viele Pilates-Lehrer kommen aus dem Tanz, und Tanz wiederum ist wie eine aktive Meditation. Das was sie an Herzblut in den Unterricht bringen, kommt meiner Ansicht nach von dort.

Tanzen würde ich in meinem Leben gern noch richtig lernen. Meine Mutter hat mich als Kind zum ungarischen Volkstanz geschickt, aber ich war nur einmal da. Die Lehrerin hat gesagt: „Er macht das gut, wirklich gut! Aber für den Tanz den er tanzt gibt es kein Volk!“ Heute würde ich gern Salza lernen.

My Yoga Guide: Ich bin ein Bücherwurm. Hast du eine yogisch-philosophische Empfehlung?

Gábor Horváth: Die Autobiografie eines Yogi von Paramahansa Yogananda (Anm. d. Red: Affiliate Link* Hier kommst du direkt zum Buch im Amazon-Shop).

My Yoga Guide: Gibt es noch etwas, dass du gerne sagen würdest?

Gábor Horváth: Sage deinen Lesern, dass ich noch lange kein Yogi bin.

My Yoga Guide: Und zum Abschluss zeige mir deine liebste Yoga Übung!

Gábor Horváth: Meine Lieblings-Asana ist der Handstand, aber es ist nicht die wichtigste Pose. Es gibt viele andere Posen, die energetisch viel mehr geben können.

Ich habe Umkehrhaltungen aber immer gerne gemacht. Früher habe ich jeden Tag 12 Minuten Kopfstand gemacht. Das mache ich inzwischen nicht mehr aber irgendwie macht es mir einfach Spaß, ich kann dir nicht sagen warum, ich fühl mich wohl kopfüber.

Aber im Grunde genommen ist das alles Ego: ein Bild im Handstand zu machen. Das ist völlig unwichtig und ich habe kein Interesse zu zeigen was ich für ein toller Yogi bin. Das bin ich vor allem auch nicht.

My Yoga Guide: Wir machen trotzdem ein Foto! 🙂

Gábor Horváth: Na gut.

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3 Comments on “Interview mit Hatha-Yogalehrer Gábor Horváth

  1. Lieber Gabor,
    mit Interesse habe ich am Wochenende Dein Interview gelesen. Deine Aussagen sind absolut authentisch. Deine Liebe zum Yoga ist in jeder Unterrichts-Stunde spürbar. Seit vier Jahren komme ich jetzt schon regelmäßig und immer noch mit großer Freude und Begeisterung zu Deinen Yoga-Stunden. Ich kann mir keinen besseren und kompetenteren Lehrer vorstellen. Danke für Deine Hingabe und Achtsamkeit.
    Angelika

  2. Tolles Interview!
    Lieben Dank an deine Offenheit lieber Gábor und natürlich an my yoga guide. Weiter so!☺

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