Pranala Yogalehrerin Sabine Ruch im Interview

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Etwas auszuprobieren ist eine wahnsinnig tolle Kraftquelle im Leben, weil das Leben bedeutet.

Ich habe Sabine Ruch im Yogaraum am Wiener Platz zum Interview getroffen, Pranala Yoga kennengelernt, viel über Mudras erfahren und ein Gedicht von Charlie Chaplin kennengelernt. Sabine unterrichtet in unterschiedlichen Studios, gibt Personal Trainings und organisiert Retreats.

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Interview mit Yogalehrerin Sabine Ruch

My Yoga Guide: Beschreibe deinen Yoga-Unterricht in 3 Worten oder einem Bild.

Sabine Ruch: Wenn es ein Bild sein soll, dann wäre das eine goldene Kugel. In meinem Unterricht geht es mir darum es rund zu machen.

Das bedeutet, dass die Yogaschüler am Ende der Stunde sagen: Ich bin in meiner Mitte und das war eine runde Sache Ich habe geatmet, ich habe mich bewegt, ich habe mich gedehnt, ich habe was Neues mitgenommen, vielleicht eine Asana vertieft und jetzt kann ich gut ins Wochenende starten.

My Yoga Guide: Seid wann beschäftgst du dich mit Yoga und gab es Inspirationsquellen?

Sabine Ruch: Also ich sag mal Sport habe ich schon mein ganzes Leben lang gemacht. Ich habe lange Zeit Ballett gemacht, getanzt, Aerobic und Pilates.

Der richtige Auslöser zum Yoga war auf Sri Lanka vor 12 Jahren. Da hatte ich meine erste Yogastunde bei einem Yogalehrer der schon richtig fordernd war. Wir sind in krasse Umkehrhaltungen gegangen und Vieles konnte ich gar nicht. Aber als ich rausgegangen habe ich mich anders gefühlt, anders als nach einer Gymnastik- oder Pilates-Stunde. Dann bin ich an einem Spiegel vorbeigegangen und habe mir gedacht – krass- ich schau auch anders aus!

Ich habe auf richtig große, glänzende Augen gehabt und mir war klar das hat was mir gemacht das anders ist. Dann wollte ich herausfinden ob das an Sri Lanka oder am Yoga lag und habe in München auch Yoga angefangen. Und das Gefühl ist immer noch da.

My Yoga Guide: Was bedeutet Yoga für dich im Alltag?

Sabine Ruch: Im Alltag nutze ich vor allem die Atmung. Zum Beispiel im Straßenverkehr, wenn vor mir einer nicht so fährt, wie ich mir das wünsche. Dann atme ich erstmal.

Ich leg gern die Zunge hinter die Schneidezähne um die Meridiane auszugleichen und fokussierter bei mir zu bleiben. Durchs Yoga bin viel geerdeter und stabiler. Das heißt aber nicht, dass in meinem Leben keine Sachen passieren. Ich bin nach wie vor traurig, wenn ich verlassen  oder verraten werde, wenn schreckliche Dinge in meinem Umfeld oder auf dieser Welt passieren, aber ich kann mich besser wieder ausgleichen und ins Vertrauen gehen.

Die Imagination hilft mir auch sehr. Ich stelle mir zum Beispiel vor “Ich bin ganz hier, es wächst eine Wurzel und erdet mich“ oder ich stelle mir im Geiste einfach Yoga-Haltungen vor. Das wirkt, selbst wenn ich sie nicht machen kann.

Was ich auch sehr erstaunlich finde sind Mantren. Wenn nichts vorangeht: im Stau, in der U-Bahn oder irgendwo und dann rezitiere ich ein Mantra, wiederhole ich es innerlich und es ist immer wieder erstaunlich wie das wirkt.

My Yoga Guide: Was sind die wichtigsten Dinge, die du an deine Yogaschüler weitergeben möchtest?

Sabine Ruch: Am wichtigsten ist mir, dass die Yogaschüler sich selbst besser kennenlernen und verstehen was zum Beispiel in ihrem Kopf so vor sich geht. Sie können lernen ihre Gedanken zu beobachten oder andere Methoden wie sie Gedanken zur Ruhe bringen können.

Aber auch zu lernen Emotionen zuzulassen und zu schätzen. In Yogahaltungen, die wir intensiver machen lösen sich oft Emotionen, die wir verdrängt haben.  Zum Beispiel kann bei Hüftöffnungen plötzlich Wut hochkommen und es überrasch Viele, wenn sie merken da tut sich was. Es ist  wichtig, dass sie lernen, dass es toll ist, dass es diese Emotion gibt. Yogaklassen geben die Zeit und den Raum, hochkommen zu lassen, was lange unterdrückt war.

Außerdem möchte ich meinen Schülern vermitteln ihren Körper besser zu spüren. An einem Tag klappt etwas super, am nächsten nicht und das hat einen Grund. Das zu spüren und dann liebevoller mit sich umzugehen kann man lernen.

Ich komme ja aus dem ganz „Logischen“. Ich bin in München auf’s Gymnasium gegangen, habe BWL studiert, arbeite seit langem in einem Konzern und weiß, dass wie viel mit Ratio begründet wird. Ich finde es wichtig auch ein Gespür und ein Verständnis für sich zu entwickeln. Ich stelle mir immer vor, dass Leute, die ein besseres Verständnis für sich haben, auch ihre Umwelt besser verstehen und dann nachsichtiger sein werden, wenn einer mal grantig wird, Angst hat oder traurig ist.

My Yoga Guide: Was nimmst du selbst aus deinen Yogaklassen mit?

Sabine Ruch: Mich freut es den Vergleich zu sehen, wie die Leute in den Yogaraum reinkommen und wie sie nach der Stunde sind. Wenn sie nach Savasana langsam nach oben kommen, ihnen dann in die Augen zu sehen, diese Veränderung binnen ein paar Minuten eigentlich, das finde ich schön.

My Yoga Guide: Hast du einen yogisch-philosophischen Buch-Tipp für die Leser?

Sabine Ruch: Spontan habe ich gerade nicht an ein Buch gedacht sondern an ein Gedicht von Charlie Chaplin und zwar „Selbstliebe“. Das hat mich sehr berührt und ich komme immer wieder auf neue Punkte.

Ein tolles Buch ist 5 Dinge, die Sterbende am meisten bereuen. Einsichten, die Ihr Leben verändern werden (Affiliate Link*) von Bronnie Ware. Das sollte jeder mal gelesen haben. Selbst wenn man daran glaubt, dass es weitergeht und ein neues Leben folgt, sollte man schauen, dass man das beste aus diesem Leben macht und es als Geschenk annimmt. Dieses Buch fand ich dahingehend sehr prägend.

Bronnie Ware hat die Sterbenden begleitet und befragt und es waren simple Dinge, die sie vermisst haben. Den Kontakt mit Freunden aufgegeben zu haben oder ihre Träume nicht verfolgt zu haben. Keine riesengroßen Träume, sondern kleinere wie, den Eiffelturm sehen zu wollen. Sie haben ihre Wünsche verschoben, weil es nicht gepasst hat oder es nicht schicklich war. Lauter so kleine Sachen, aber wenn man am Ende seines Lebens ist, kann das bitter sein, weil man nun vielleicht wirklich schlecht reisen kann.

Darum würde ich auch nicht alles auf die Rente verschieben. Das sehe ich oft im Büro, dass Leute wie im Hamsterrad arbeiten und dann irgendwann kommt die Rente. Nur ob man mit 70 wirklich noch so fit ist weiß man nicht.

Mein Ziel ist natürlich mit Yoga gesund alt zu werden und natürlich möchte ich mit 70 und darüber hinaus noch fit sein und viel erleben können, aber ich möchte auch vorher das Leben genießen.

My Yoga Guide: Gibt es noch etwas wonach ich nicht gefragt habe, was du loswerden willst?

Sabine Ruch: Mir geht es nicht so darum alle Leute zum Yoga zu bringen sondern, dass jeder lernen kann was für ihn selber gut ist. Ich würde Leute gerne dazu motivieren, dass sie neugierig und offen bleiben, viele Dinge ausprobieren und herausfinden was stimmig ist.

Es gibt so viele Sportarten, es gibt viele Meditationstechniken, es gibt Kinesiologie, Reiki, Energiearbeit und vieles mehr. Es kann auch Malen oder Musizieren sein, Singen, Gedichte zu lesen und dabei immer wieder zu schauen, was tut mir wirklich gut? Etwas auszuprobieren ist eine wahnsinnig tolle Kraftquelle im Leben, weil das Leben ist. Es gibt auch Tiefen, aber zu wissen, welche Kraftquellen man besitzt und darauf zurückgreifen können ist wichtig.

Und natürlich ist es gut, wenn wir uns mehr bewegen. Viele Leute sitzen viel im Auto oder im Büro – man sagt ja immer ‚das Sitzen ist das neue Rauchen‘ und das ist natürlich nicht gut. Darum ist Bewegung toll und kann helfen Stress abzubauen. Für mich ist es eben Yoga, weil ich da alles drin habe. Ich habe Kardio, stärke meine Muskulatur, dehne das Gewebe, arbeite mit meinen Organen und lerne loszulassen  –  das ist halt meins! Ob das für Andere was ist weiß ich nicht, ich würde nur einladen es zu versuchen. Unterschiedliche Yogastile und vor allem Lehrer ausprobieren und schauen ob du von dem Lehrer viel annehmen kannst.

My Yoga Guide: Was ist deine Lieblings Yoga-Übung?

Die Frage zu beantworten ist wirklich schwer, weil es ganz viele tolle Übungen gibt aber spontan würde ich eine Übungsabfolge aus Mudras wählen. Ich habe die Yoga Grundausbildung auf Bali in Yoga Pranala gemacht und da geht es vor allem um die Mudras. Wenn ich aufgeregt oder gestresst bin, mache ich diese eine spezielle Mudra-Abfolge.

Es ist eine Mudra-Abfolge aus dem Yoga Pranala, die der ausgebildete Lehrer an seine Schüler weitergibt. Dieses Mudra darf sozusagen ich an meine Schüler weitergeben. Es gibt auch Mudras, die nur bei den Lehren oder einem bestimmten Personenkreis bleiben, da sie sehr, sehr kraftvoll sind. Und alles kann ins Positive aber auch ins Negative gedreht werden. Das gilt auch für Mantren oder Mandalas. Da muss man schauen, dass sie nicht in falsche Hände kommen.

(Anmerkung der Redaktion: Die Bilder im Beitrag zeigen Sabine, wie sie die Mudra-Abfolge übt. Da sie dynamisch geübt wird, ist es nur ein Einblick. Wenn du mehr darüber erfahren möchtest besuchst du Sabine am besten in einer ihrer Klassen. Außerdem hat Sabine für My Yoga Guide das Herz Mudra vorgestellt und über die Ausführung und Wirkung geschrieben.)

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My Yoga Guide: Eine Bitte noch! Du hast vorhin Charlie Chaplins Gedicht erwähnt. Möchtest du es noch vortragen?

Sabine Ruch: Ja gern. Ich habe früher immer seine alten Filme angeschaut und ich wäre nie drauf gekommen, dass er ein solches Gedicht schreibt. Es ist eine Rede von Charlie Chaplin, die er an seinem 70. Geburtstag gehalten hat.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich verstanden, dass ich immer und bei jeder Gelegenheit zur rechten Zeit am richtigen Ort bin und, dass alles was geschieht richtig ist. Von da an konnte ich ruhig sein. Heute weiß ich dass nennt man VERTRAUEN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, konnte ich erkennen, dass emotionaler Schmerz und Leid nur Warnungen für mich sind nicht gegen meine eigene Wahrheit zu leben. Heute weiss ich, das nennt man AUTHENTISCH SEIN.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, mich nach einem anderen Leben zu sehnen und ich konnte sehen, dass alles um mich herum eine Aufforderung zum Wachsen war. Heute weiß ich, das nennt man REIFE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört mich meiner freien Zeit zu berauben, und ich habe aufgehört, weiter grandiose Projekte für die Zukunft zu entwerfen. Heute mache ich nur das, was mir Spaß und Freude macht, was ich liebe und was mein Herz zum Lachen bringt. Auf meine eigene Art und Weise und in meinem Tempo. Heute weiß ich, das nennt man EHRLICHKEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich von allem befreit, was nicht gesund für mich war. Von Speisen, von Menschen, von Dingen, von Situationen – und von allem, was mich herunterzog weg von mir selbst. Anfangs nannte ich das „GESUNDEN EGOISMUS“. Aber heute weiss ich, das ist SELBSTLIEBE.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich aufgehört, immer Recht haben zu wollen, so habe ich mich weniger geirrt. Heute habe ich erkannt, das nennt man DEMUT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, habe ich mich geweigert, weiter in der Vergangenheit zu leben und mich um meine Zukunft zu sorgen. Jetzt lebe ich nur noch in diesem Augenblick, wo ALLES stattfindet. So lebe ich heute jeden Tag und nenne es BEWUSSTHEIT.

Als ich mich selbst zu lieben begann, da erkannte ich, dass mich mein Denken armselig und krank machen kann. Als ich jedoch meine Herzenskräfte anforderte, bekam der Verstand einen wichtigen Partner. Diese Verbindung nenne ich heute HERZENSWEISHEIT.

Wir brauchen uns nicht weiter vor Auseinandersetzungen, Konflikten und Problemen mit uns selbst und anderen zu fürchten. Denn sogar Sterne knallen manchmal aufeinander und es entstehen neue Welten. Heute weiss ich, das ist das LEBEN!

(Charlie Chaplin)

My Yoga Guide: Liebe Sabine, vielen Dank für deine Zeit, deine Antworten und all die Inspirationsquellen!

Mehr über Sabine erfährst du auf www.sabine-ruch.com.

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